Was sind Konditionierungen?

Konditionierungen sind innere Glaubenssätze, die es uns ermöglichen, uns an die Welt anzupassen, in die wir hineingeboren werden. Sie betreffen nicht nur die Erziehung, sondern auch alle bewussten und unbewussten Reize, die ein Kind aufnimmt und nach denen es beginnt, sein Verhalten auszurichten und zu steuern.

Es gibt Konditionierungen für das Verhalten in Gruppen, von zwei Personen bis hin zur ganzen Gesellschaft. Und es gibt Konditionierungen, die nur die eigene Person betreffen.

Jedes Miteinander von Menschen unterliegt Verhaltensregeln und somit Konditionierungen, also Glaubenssätzen, die diese Verhaltensregeln stützen.

Konditionierungen können positiv sein, also uns fördern, oder auch negativ, also einschränkend.

Gesellschaftliche Konditionierungen variieren von Land zu Land und von Kultur zu Kultur. Einige benötigen wir, um ein Leben miteinander zu ermöglichen. Andere brauchen wir nicht, sie sind aber dennoch vorhanden und bedürfen einer Überprüfung.

So ist beispielsweise eine sinnvolle gesellschaftliche Konditionierung für Deutschland, dass wir beim Autofahren an einer roten Ampel halten. Der Glaubenssatz „Bei Rot musst Du anhalten!“ hat in unserem Land für das Miteinander einen Sinn.

In anderen Ländern kann dies anders sein. Nehmen wir zum Beispiel Italien: Dort gilt dieser Glaubenssatz nicht in der strikten Befehlsform, sondern wird ersetzt durch den Glaubenssatz „Schau bei Rot, ob die Straße frei ist, und wenn sie frei ist, dann fahr!“ Würden wir in Italien unserer strengen deutschen gesellschaftlichen Konditionierung bezüglich der roten Ampeln folgen, wären so manche Italiener vermutlich irritiert.

Als Kind passen wir unser Verhalten den Konditionierungen an, die in unserer Familie und in unserem Umfeld herrschen, und verhalten uns ihnen gemäß. Schließlich sind wir von unserer Familie und unserem Umfeld abhängig und könnten ohne Zuwendung und Fürsorge nicht überleben. Durch unsere – bewusste oder unbewusste – Anpassung versuchen wir, Liebe zu bekommen und negative Erfahrungen zu vermeiden.

Am Anfang unseres Lebens haben wir keine andere Wahl, als uns dem Umfeld, den Konditionierungen unserer Familie und der Gesellschaft, in der wir leben, ungefragt anzupassen.

Wir müssen körperlich und emotional überleben und dieses Überlebensziel steht vom Wert her höher als die Entfaltung unserer selbst (Wesenskern/inneres Kind). Dies ist die Geburtsstunde unserer Diktatoren.

Das Wertesystem unserer inneren Diktatoren besteht aus Konditionierungen, die dem Wertesystem unseres kindlichen Umfeldes entsprechen. Um körperlich und emotional zu überleben, ist dies am Anfang unseres Lebens sehr sinnvoll. Das Wertesystem der inneren Diktatoren und somit seine innewohnenden Konditionierungen unterliegen dem Hauptleitsatz „Pass Dich an und überlebe!“.

Kritiker und Verführer sorgen durch entsprechende Konditionierungen dafür, dass das Wertesystem des Diktators eingehalten wird. Ein Beispiel: Wir sind durch den Diktator „Du musst schlank sein!“ konditioniert und unser Kritiker muss dafür sorgen, dass das Wertesystem des Diktators eingehalten wird. Er tut dies durch Abwertung und die entsprechende Konditionierung: „Wie kannst Du nur so dick sein! Du bist hässlich und fett und nicht liebenswert. Niemand will Dich!“.

Als Erwachsene sind wir nicht mehr von unserem Umfeld in dieser Form abhängig. Wollen wir nicht nur emotional überleben, sondern tatsächlich leben, müssen wir beginnen, das Wertesystem unserer inneren Diktatoren, also das Geflecht von Konditionierungen, in Frage zu stellen und zu überprüfen. Wenn wir dies tun, sind wir nicht mehr länger ein durch den Diktator gesteuerter „Roboter“, der das Ziel hat, sich dem Wertesystem des Diktators anzupassen, sondern beginnen, zu spüren, welche Konditionierung sinnvoll ist (für uns förderlich) und welche nicht (uns einschränkt).

Mithilfe der Übung „Das Hinterfragen“ stellen wir unsere inneren Diktatoren, Kritiker und Verführer in Frage und überprüfen ihre Konditionierungen. Dadurch können wir die Konditionierungen auflösen und den Emotionsfiguren nach und nach die Macht nehmen. Die Diktatoren werden durch die Prozessbegleiter*in ersetzt. Wir entscheiden, welche Glaubenssätze für uns förderlich sind und welche nicht. Das beginnt bei gesellschaftlichen Konditionierungen, dem auch unsere inneren Diktatoren folgen, zum Beispiel dem Frauenbild, das durch viele Frauenzeitschriften noch immer vertreten wird, und reicht zu Glaubenssätzen, die durch unsere Biografie entstanden sind, z. B. „Das Leben ist ein Kampf!“.

Haben wir beispielsweise einen Diktator, der meint, wir müssten schlank sein, um Liebe zu erhalten und uns dadurch wohl fühlen zu können, können wir sein Wertesystem durch die Übung „Das Hinterfragen“ entlarven und ihn durch unsere Prozessbegleitung ersetzen. Die Prozessbegleitung wird unser Aussehen nicht an Liebe knüpfen und unseren menschlichen Wert nicht davon abhängig machen, ob wir dick oder dünn sind. Sie wird uns helfen, uns in uns selbst wohl zu fühlen und somit in unser Wohlfühlgewicht zu kommen.

Vielleicht werden wir spüren, dass wir uns durch Sport und weniger Gewicht in einem schlankeren Körper wohler fühlen, aber im Gegensatz zum Diktator beruht der Antrieb durch die Prozessbegleitung auf einer inneren Liebe. In der Prozessbegleitung fühlen wir uns nicht abhängig von anderen Menschen. Das Ziel ist, dass wir uns in uns selbst wohler fühlen, dass wir uns liebevoll begegnen und nicht einer äußeren Form entsprechen, um dadurch Liebe zu erhalten.

Der Unterschied zwischen dem Antrieb der Prozessbegleitung und Antrieb des Diktators kann größer kaum sein. Bei der Prozessbegleitung ist ein Fülledenken (Du entfaltest Deinen Wesenskern) der Antrieb, beim Diktator ein Mangeldenken (Du hast nicht genug Liebe und musst versuchen, sie durch Anpassung an das Außen zu finden).

Auf dem Weg zur Entfaltung unseres Selbst lösen wir die Konditionierung des Diktators auf und ersetzen diese durch Glaubenssätze der Prozessbegleitung, wie zum Beispiel „Ich spüre mich und meinen Körper und handle in Liebe für mich!“ oder „Ich bin wachsam und spüre meine Diktatoren auf!“ oder wenn Du beispielsweise fühlst, dass Dir morgens Zeit mit Dir gut tut: „Ich muss dafür sorgen, dass ich morgens Zeit für mich organisiere!“.

Die positiven Konditionierungen, die uns in unserem Wachstum fördern, sind diejenigen, die wir bewusst aus der Prozessbegleitung heraus für uns entstehen lassen.

Konditionierungen sind überall. Es gilt, sie uns bewusst zu machen und zu überprüfen, ob sie unserem inneren Wachstum nützen oder nicht.