Beispiel 2: Kann ich erst richtig mit SuH anfangen, wenn ich abgenommen habe?

Situation:

Ich habe das Gefühl, erst ein paar Kilo abnehmen zu müssen, um dann richtig mit dem SuH - Weg beginnen zu können.

Marias Antwort:

„Wenn Du sehr verzweifelt über Dein Gewicht bist, kann ich gut verstehen, dass ein Verführer oder Diktator in Dir sehr laut wird, der Dir sagt, dass Du erst abnehmen musst, um dann richtig mit dem SuH - Weg beginnen zu können.

Ich habe in den vergangenen Jahren mehrfach erlebt, dass Menschen mir sagten, sie müssten erst Gewicht verlieren, um dann ihren eigentlichen Essensheilungsweg gehen zu können und ich kenne nicht einen Fall, bei dem es funktioniert hat.

Der Grund dafür liegt darin, dass der Weg über eine Diät oder ein anderes reglementierendes Programm, um Gewicht zu verlieren, vollkommen konträr zu dem läuft, um was es auf dem Essensheilungsweg eigentlich geht.

Diäten setzen den Grundgedanken voraus, dass das Gewicht die Ursache des Problems ist. Aber genau das ist nicht so. Das Gewicht ist nur die Folge. Wäre Dein Gewicht die Ursache, wäre diese nach einer Gewichtsabnahme beseitigt und der Kampf mit den Pfunden wäre endgültig vorbei. Aber wie viele Diäten hast Du in Deinem Leben bereits gemacht und wie anhaltend war der Erfolg damit? Das Gewicht ist immer nur die Folge davon, dass Dein konditioniertes Kind im Alltag noch zu stark ist und Du als Resultat davon versuchst, die damit einhergehenden Emotionsspannungen (verlassenes inneres Kind) mittels Essen abzudämpfen.

Der Essensdrang ist wie ein Anzeiger, der Dir unbestechlich deutlich macht, wenn Du Dich in Deinem Alltag im Autopilotprogramm des inneren Diktators verloren hast. Essen zu wollen, ohne hungrig zu sein, zeigt Dir an, dass Du an dem Tag zu wenig Liebe für Dich hattest und als Folge davon Dein v. i. K. in Dir schreit.

Wenn Du nicht in Deinem Wohlfühlgewicht bist, bedeutet dies, dass Du auf einer tiefen Ebene noch kein Wohlgefühl mit Dir hast. Oder anders ausgedrückt: Dein Schutzprogramm hat noch zu viel Macht, sodass Du Deinen Wesenskern nicht genug lebst.

Dieses tiefe Unwohlsein hat primär nichts mit dem Gewicht zu tun. Durch eine Gewichtsabnahme sind wir kein neuer Mensch. Alle Konditionierungen (Diktator, Kritiker, Verführer) bleiben bestehen. Ich kenne Menschen, die sich heute Fotos aus Zeiten ansehen, in denen sie aus heutigem Blick schlank waren, sich aber damals als zu dick empfanden. Bei einer Gewichtsabnahme mittels Diät oder auch einer Ernährungsumstellung nehmen wir unser jetziges Innenleben mit.

Dein innerer Kritiker, von dem Du berichtest und der Dir sagt, Du seist zu dick und zu hässlich, wird durch eine Gewichtsabnahme nicht entmachtet, denn Dein Gewicht ist für ihn nur ein Vorwand. Sein eigentlicher Auftrag lautet: „Bring ihn/sie nicht in seine/ihre Kraft (Wesenskern)!

Vor vielen Jahren, als es als Kind für Dich darum ging, Dich Deinem Umfeld anzupassen, war diese biografisches Schutzprogramm sehr sinnvoll. Und es kann sich erst dann lösen, wenn Du Dir auf eine Weise begegnen lernst, die nicht mehr aus Deinem geliebten Kind heraus entspringt.

Wenn Du das Gefühl hast, bestimmte Dinge durch Dein momentan noch höheres Gewicht nicht leben zu können, weil Dein Kritiker noch zu stark ist, würde ich ihn gern fragen: „Was kann er/sie jetzt nicht leben, was aus Deiner Sicht (Kritikersicht) nur lebbar ist, wenn er/sie weniger wiegt?

Lass Dich nicht von ihm beirren. Stell diesem Kritiker Fragen und lausche, was als Antwort in Dir aufkommt. Eine kleinere Kleidergröße bringt Dir nicht mehr Lebensfreude, sondern mehr Lebensfreude bringt Dir eine kleinere Kleidergröße.

Wenn Du eine Diät machst, gibst Du Deinem Kritiker recht und damit auch viel Macht. Du bleibst in der Schleife des geliebten Kindes gefangen und kannst demzufolge dieses tiefe Wohlgefühl, dieses Empfinden des In-sich–selbst-zuhause-seins nicht als Fundament in Dir wahrnehmen.

Dieses Empfinden kann sich nur entfalten, wenn Du eine Lobby für Dein v. i. K. aufbaust und dadurch Schritt für Schritt aus Deinem emotionalen Überlebensprogramm aussteigst. Erst dann kannst Du Deinen Wesenskern mehr und mehr leben, was zu diesem tiefen Wohlgefühl und innerer Entspannung führt.

Wenn ich all dies schreibe, möchte ich keinesfalls Deine Frustration abtun. Im Gegenteil. Ich möchte Dich einladen, dieses v. i. K., das so frustriert ist, durch das Übergewicht nicht genug leben zu können, zu erkunden. Lass es alles sagen, was es sagen oder ausdrücken möchte, stell die kanalorientierten Fragen, damit es präsenter und begleitet werden kann. Versuche, zu erforschen, welche Lebensqualität ihm fehlt, was es im Augenblick noch meint, nur über das Schlanksein zu bekommen.

Wenn Du spürst, dass Du die Grundtools und die Übungen nicht ausreichend anwenden kannst, brauchst Du eine stärkere Unterstützungsstruktur. Wenn Dein innerer Kritiker und Diktator noch zu stark sind, brauchst Du mehr Hilfe.

Den Halt, den Du Dir von der Struktur eines Diätplanes erhoffst, gilt es, Dir mithilfe einer liebevollen Unterstützungsstruktur zu schaffen. Eine Struktur, die eben nicht wie bei einem Diätplan Dein konditioniertes Kind, sondern Deinen Wesenskern stärkt. Eine Struktur, mit der Du Vertrauen aus Dir selbst heraus entwickeln kannst. Nur durch dieses tiefe Vertrauen kann dieses tiefe Wohlgefühl in Dir entstehen, nach dem Du Dich sehnst. Erst wenn Du spürst, Du kannst Dir vertrauen, kannst Du Dich in Dir entspannen. Solange das geliebte Kind zu stark ist (und als Kehrseite davon auch das ungeliebte Kind) kann es keine tiefe innere Entspannung geben und das Wohlgefühl bleibt demzufolge aus. Stärke dieses geliebte Kind nicht durch eine Diät!

Wenn Du spürst, dass Du nicht weiterkommst, musst Du Deine Unterstützungsstruktur erweitern. Eine Möglichkeit, Dir mehr Hilfe zu holen, ist über einen Buddy. Hast Du einen Buddy? Weitere Informationen zum Thema Buddyschaft findest Du unter „Buddy-Arbeit“ im Community-Bereich.

Dieser Weg dauert länger und er verläuft nicht linear. Aber er bringt Dich Dir Schritt für Schritt näher und damit in ein emotional erfüllteres Leben. Wenn Du langsam das Gefühl in Dir entwickelst, dass Dein vermeintlicher Feind (der Essdrang) zu Deinem Verbündeten auf dem Weg zu Dir selbst wird, entsteht eine ungeahnte Freiheit in Dir. Dem Essdrang nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein und ihm folgen zu müssen, sondern stattdessen die Information, für die er steht, empfangen zu können, bringt Dich nach Hause.

Gib nicht auf!